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Medal of Honour 2010 Preview

Viel Rauch um nix

Medal of Honour 2010 wird derzeit mit viel Tamtam angekündigt und in der Presse aufgrund seines Afghanistan Bezugs gerüffelt.Ich habe mir die Beta mal angeschaut und mir aus der Sicht eines Mappers und den Spielaufbau betrachtet.

Als das erste MOH herauskam, war ich gleich begeistert. Das Thema WWII war sehr stimmungsvoll umgesetzt. Die Musik passte, die KI war passabel und die bösen Nazis wirkten fies.

Bei der Kritik um den Nachfolger, der im Afghanistan von heute spielt, geht es ja darum, dass man als Spieler die Seite der Taliban einnehmen kann. Britsche und US Politiker riefen daraufhin zum Boykott des Spiels auf.

Denn das soll nicht sein: Feind bleibt Feind.

Zunächst zum optischen Eindruck. Da ist das Spiel auf der Höhe der Zeit. Alle Effekte und Grafikauflösungen werden genutzt. Der Klang und der Soundteppich wirken sehr realistisch. Insofern sind besorgte Eltern zu recht skeptisch. Viel realistischer wird’s wohl kaum noch, es sei denn man steigt auf 3-D um. Aber die Grafik allein macht es eben nicht. Die Frage, ob man ein Spiel mit der Realität verwechseln könnte beantwortet sich an ganz anderer Stelle.

Die Infanteriemaps sind – für mich – enttäuschend klein. Die Kabul Map spielt in einer Endzeitwohnsiedlung mit unfertigen Rohbauten von vielleicht 200 mal 200 Meter..

Dort jagt man dann Talibs oder eben GIs. Das Gameplay ist aber pures Arcade Run and Gun. Von Realismus, Taktik oder Strategie keine Spur. Man springt mit voller Montur von Haus zu Haus meuchelt einen Gegner nach dem anderen, oft im absoluten Nahkampf und steckt dabei immer wieder selbst Treffer ein, die sich nach Sekunden selbst „heilen“.

Wer nur mal auf Liveleaks oder anderen Plattformen anschaut wie der Alltag des Kriegs in Afghanistan oder dem Irak aussieht, weiß dass dies nicht mit der Realität gemein hat. Es wäre halt spielerisch nicht umsetzbar tagelang im Convoy durch die Stadt zu fahren, nur um dann innerhalb von Sekunden durch eine Sprengfalle in die Luft zu fliegen. Das nämlich ist der Alltag und nicht Scheibenschießen wie auf der Kirmes.

Die Tatsache, dass eine Seite einen Turban trägt und die andere einen Kevlarhelm ändert daran nichts. Man identifiziert sich keinesfalls mit den Pixelfiguren die man gerade steuert. Sie könnten auch Cowboyhüte und Indianerschmuck tragen. Es ist und bleibt das gute alte „Räuber und Gendarm“ in neue Verpackung.

Gestörte Persönlichkeiten, die sich an Gewalt und Krawall erfreuen, werden hier sicherlich weiter in ihrer Fehlentwicklung bestärkt. Das aber würde auch der falsche Film oder sogar das falsche Buch anrichten.

Das Spiel Medeal of Honour ist und bleibt ein Spiel. Eine moderne Version einer Mischung aus Schach und Schiffe versenken. Und es macht Spaß. Es hat nichts mit den realen Ereignissen in den jeweiligen Regionen zu tun, außer dass EA den derzeitigen Konflikt nutzt, die Gegner in entsprechende Kleidung und die Landschaften in afghanische Ansichten hüllt – um Geld zu machen.

Medal of Honour 2010 Kabul Map

Besonders einladend sieht es hier wirklich nicht aus. Die Maps sind eher klein.

Das ist wohl das einzige was einen etwas schalen Beigeschmack hat. Reale Kriegsschauplätze als „Setting“ zu verwenden um Kasse mit einem simplen Ballerspiel zu machen. Den Spieler sollte man hier keinen Vorwurf machen, dass sie die neuste Generation ihres Genres spielen. Die wenigsten werden es tun weil sie es in der Absicht tun Talibans zu töten. Sie spielen und erfreuen sich an der ausgefeilten Technik. Die Verantwortung für Inhalte muß aber bei EA bleiben.

Ist Medal of Honour nun politisch korrekt?

Politisch korrekt eigentlich nicht. Nein. Aber man sollte auch bedenken, dass man jederzeit den in der Realität unterlegenen Taliban unter die Arme greifen kann. So gesehen sind die Chancen gleich verteilt. Ob man überhaupt Krieg spielen muss – ob realitätsgetreu oder nicht – sollte jeder zunächst für sich selbst entscheiden.

Ist es eine Gefährdung für das Geisteswohl der Spiele und insbesondere der Jugend?

Auch das denke ich nicht, wobei eine Altersgrenze für Shooter ohnehin gelten sollte, da es bei übermäßigem Konsum bei Kindern und jungen Jugendlichen mit Sicherheit zu Schlafstörungen und aggressivem Verhalten kommen kann. Bitte beachten, dass dies auch nach einer wilden Rangelei auf dem Spielplatz oder einem Prügel Trickfilm vorkommen kann und nicht ein Problem des Genre 3-D Shooter alleine ist.

Medal of Honour 2010 Screenshot

Medal of Honour Kabul Map im Multiplayer Modus

Was spricht dann überhaupt für das Spiel aus Sicht der Eltern?

Dabei sein ist alles in einem gewissen Alter. Unterschätze nicht den sozialen Faktor, wenn Jugendliche sich zu Clans zusammenschließen und in ihrer Freizeit am PC oder der Konsole gegeneinander antreten. Dabei wird viel über Gott und die Welt, die Schule und alles andere gechattet – gerade Jungs ab 14 wachsen heute so auf. Wer seinem Kind dies verwehrt, schließt es womöglich von seiner Clique aus. Wir dürfen auch nicht immer davon ausgehen, was wir seinerzeit in der Freizeit gemacht haben. Das Spielen ist oftmals nur Nebensache und die Zugehörigkeit zu einer Gruppe in der Schule oder dem Umfeld der wesentliche Faktor.

Auch Vater-Sohn Beziehungen können – auch auf Distanz so gepflegt werden.

Klare regeln sollte es dafür geben WANN das Spielen erlaubt ist und wann nicht. Einmal die Woche mit dem Clan und am Wochenende etwas öfter.

Sobald das Interesse am anderen Geschlecht steigt sinkt die Spielzeit übrigens ganz rapide von allein…

Fazit

Medal of Honour II ist mitnichten ein militärisches „Kriegspiel“ das Spieler zu waffenbegeisterten Militaristen machen wird. Es ist vielmehr eine moderen Variante des alten „Räuber und Gendarm“ Spiels, ein Battlefield 2 Clon, wobei die Anlehnung an ein aktuelles Kriegsgeschehen mehr als geschmacklos und kommerziell motiviert ist. Wer sich damit schwer tut, sollte die Finger davon lassen.  Spielerisch ist es jedenfalls kein Glanzlicht, man kann moralisch einwandfrei auch Aliens aus ihren Raumschiffen ballern oder Dinosaurier jagen. Medal of Honour erscheint am 14.102010 für PS3,XBOX und PC und kann bei Amazon vorbestellt werden.(auf Version mit der richtigen Jugendfreigabe achten!)

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