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Datenüberflutung/Datenschwund – Zukunftsproblem des Internet

Seit Mitte der 1990er Jahre füllen Menschen und Maschinen die Datenbestände des Internets. Einige sind vergänglich, wie zum Beispiel das Lieferprogramm vom Ottoversand aus dem Jahre 2003. Andere stehen wie in Stein gemeißelt, siehe Wikipediaeniträge zum Periodensystem und eine dritte Kategorie kennen wir noch nicht, da es die Breaking News oder die Facebookeinträge von morgen sind.

Diese drei Schichten des Internets stellen somit den Pool an Informationen dar, die wir zu einem Zeitpunkt X von dort abrufen können. An der ein oder anderen Stelle bilden sich also schwer auflösbare Klumpen von Daten, die sogar noch langsam anwachsen. Dabei handelt es sich meistens um Wissen. Dort tut sich in aller Regel verhältnismäßig wenig, aber stetig. Dieser – ich nenne ihn mal Wikisumpf wird mit der Zeit quantitativ alle anderen Bereich überholen. Die Anhäufung von Fakten und purem Wissen wächst langsam aber dennoch bedrohlich. Wenn wir uns als Nutzer so verhalten wie bisher und auch einem neuen Internetangebot hin und wieder Beachtung schenken, dann finden wir uns schnell wieder bei Altbekanntem. Wenn wir aber immer nur der neusten Headline der Bild und dpa nachjagen, dann gibt es keine Vertrautheit. Als ich mal vor einiger Zeit versuchte einen alten Zeitungsartikel zu recherchieren, musste ich feststellen, dass die Links, die ich mir am Tage des Erscheinen alle gesetzt hatte, zum großen Teil ins Leere liefen. Nachrichten sind verderbliche Ware und merkwürdigerweise haltenes viele nicht für nötig sie zu archivieren. Was dabei an Informationen verloren geht steht auf einem anderen Blatt. Der Trend, Nachrichten nach einer gewissen Zeit einfach zu löschen arbeitet der Wikisektion zu – quantitativ natürlich, denn was nutzt es mir zu wissen welchen Schmelzpunkt Bismut hat, wenn ich nicht mehr erfahren kann wer vor 5 Jahren diesen schrecklichen Unfall an der B3 gebaut hat? Ich es aber wissen WILL?

Fazit: Es wird immer leichter die Informationen zu recherchieren, die feststehende Fakten beiinhalten. Das Geschehen an einem Tag X verschwimmt hingegen im Nebel des Internets. Dort sind aber auch viele Fakten enthalten, Wahrheiten und wertvolle Informationen. Google findet sie nicht mehr. Stattdessen häuft die Menschheit Daten an, die eines Tages den mündigen Nutzer überfordern werden. Es sind zu viele um in verlässlicher Zeit die richtigen aufzufinden. Das Internet wird mit Daten „gestopft“. Wer sich nur auf facebook und ebay aufhält, merkt davon nichts. Nichts ist so alt wie der Tweet von letzter Stunde. Nichts so unbedeutend wie die vor 3 Sekunden abgelaufene Auktion. Nun könnte man meinen, dass auch früher kein Chronist auf dem Marktplatz stand und jedes halbe Kilo Käse protokolliert hat. Das mag sein, aber ich rede hier vom Ungleichgewicht bestimmter Informationen zu solchen die vielleicht(!) später einmal nützlich sein können. So wie die Videoaufnahme an der Tankstelle, die alle 48 Stunden überspielt wird. Was aber, wenn ich die Aufnahme erst Wochen später brauche?

So geschehen bei den Anschlägen am 11. September auf das Pentagon. Einige entscheidende Aufnahmen waren mittlerweile längst überspielt. Niemand hatte daran gedacht, dass eine Kamera auf den Anschlagsort gerichtet war. So bleiben uns nur lächerlich verwackelte Bilder vom größten Anschlag der jüngeren Menschheit. Der Wert der Information lässt sich nur im Kontext ermitteln nicht aus der Tatsache heraus, ob es sich um Echtzeitinformationen handelt oder Schulbuchwissen. Vorratsdatenspeicherung ist in diesem Sinne eine Notwendigkeit, auch zur Entlastung von Beschuldigten. Exakte Protokolle von medizinischen Eingriffen wären es auch. Wir sollten es uns überlegen, ob es nicht wichtiger ist, die veränderlichen Fakten mehr zu archivieren als die , die man auch in jedem wissenschaftlichen Buch nachschlagen kann. Da und auch bei Wikipedia, steht zwar alles über unser Sonnensystem und den Zitronesäurezyklus der Pflanzen drin, wann welcher Krieg in welchem Land begonnen und beendet wurde, aber nicht, wo man am 23.6.2004 um 16:34 war. Oder wissen Sie das auswendig?

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